von Torremejía nach Mérida
Tag 11 – Von Umwegen, Römern und einem kleinen „Wow, wie cool ist das bitte?“
Gestern Abend in der Herberge: neue Gesichter, neue Geschichten. Charlotte aus England – spricht Spanisch schneller als ich Deutsch. 😄 Joachim aus Spanien – mit dem Rad unterwegs. Und ein Kanadier, verheiratet mit einer Deutschen, der mir von Dürnstein vorgeschwärmt hat.
Wir sind dann mit Charlotte essen gegangen. Sie geht den Camino alleine und hat eine Spiegelreflexkamera mit 600er Objektiv dabei. Und wirklich: jedes Tier, jede Blume, jeder Strauch, jeder Baum wird fotografiert. Mit einer Ruhe und Begeisterung, die mich fast ein bissl neidisch macht.
Essen: 2 Glas Wein à €2,50; 1 Wasser €2,50; Mein Gordon Bleu mit Pommes: €15; Renate: Rindergulasch, auch €15; Charlotte: Omelette mit Salat um €7
Ein schöner Abend.
Die Nacht? Kurz. Um 5:00 Uhr bin ich wach. Also frühstücken.
Und das Beste: Kaffee, Tee, Milch, Toastbrot, Kekse, Kuchen, gesalzene Margarine und Marmelade – alles gratis.
Für meine 3 Dosen Bier in der Herberge hab ich jeweils €1,50 gezahlt. Auch ok. 😄
Um 7:00 Uhr geht’s los. Noch schnell bei der Tankstelle Wasser kaufen – Sonntag, Supermärkte zu. Und dann beginnt das kleine Camino-Spiel: Welcher Weg ist der richtige?
Mein Buch sagt: Feldweg.
Renates Buch sagt: Landstraße.
Der Tankwart: Landstraße.
Ein anderer Pilger: auch Landstraße.
Na gut. Dann halt Landstraße.
Nach 4 km finden wir eine beschilderte Abzweigung zum Feldweg. Freuen uns kurz…
…und stehen 500 m später vor einer neu errichteten Gleisstrecke. Ende Gelände. 😄 Also wieder rauf auf die Landstraße. Es ist diesig, aber schon warm: 26 Grad.
Nach 7 km dürfen wir endlich wieder runter auf einen Feldweg. Erste Jause, Pause, Schuhe aus. Und Renate? Setzt sich… wieder auf einen Ameisenhaufen.
Das hat sie gestern schon dreimal geschafft. 🙈 Dabei bin doch eigentlich ich die Patscherte! 🤣
Der Weg führt quer durch eine Pellet-Fabrik. Danach: lange, gerade Strecke. Sehr lange. Sehr gerade. 😄
Nach weiteren 5 km Trinkpause. Zwischendurch immer wieder Stellen, wo der Weg knöcheltief unter Wasser steht. Also Slalom gehen oder durch.
Vorbei an einem Bauernhof… und plötzlich sind wir da: Stadtrand von Mérida.
Und da kommt wieder dieses Gefühl: Wow… hier war schon so viel vor uns.
Im Römischen Reich hieß die Stadt Emerita Augusta und war Hauptstadt der Provinz Lusitania. Gegründet 25 v. Chr. von Kaiser Augustus. Und ich geh da einfach so rein.
Ein Pferd begrüßt mich am Weg. Ich nehm das jetzt einfach persönlich. 😄
Dann: die alte Römerbrücke – Puente Romano. Über 700 Meter lang, aus der Antike erhalten. Früher 62 Bögen, heute 60 sichtbar. Und ich geh drüber. Mit müden Beinen. Und einem kleinen Staunen im Kopf.
Erster Kaffee in der Stadt: Im Mesón el Pestorejo – Kaffee und Wasser €7.
Dann runter zum Fluss. Dort ist unsere Herberge: Molino de Pan Caliente – ein Bett um €10, in einer alten Mühle. Duschen. Durchatmen.
Und dann: Stadt erkunden.
Zuerst Supermarkt bei der Plaza de Santa María – Jause kaufen. Direkt vor der Concatedral de Mérida essen wir.
Dann weiter in die Bar Cachicho – noch ein Kaffee.
Und plötzlich fühlt sich Mérida an wie…
ein bisschen Wien. Viele kleine Gassen. Teure Geschäfte. So ein Hauch von „1. Bezirk“. 😄
Dann das Highlight für mich: Römisches Theater und Amphitheater. Eintritt: €17.
Und ich sag’s ehrlich: Ich war fasziniert. Diese Anlage. Diese Größe. Und vor allem: die Zugänge.
Über 2000 Jahre alt – und so durchdacht, dass eine sichere Entfluchtung möglich war.
Da macht mein Techniker-Herz große Sprünge. 🤣😉
Während ich staune, sitzt Renate… in einer Bar. Auch wichtig. 😄
Weiter zum Templo de Diana. Mit meinem Ticket darf ich auch in den Palacio de los Corbos – Artefakte anschauen.
Vor dem Tempel: Generalprobe einer Flamenco-Schule. Kinder. Musik. Bewegung.
So viel Leben zwischen all den alten Steinen. Das hat was.
Noch vorbei am Museo Nacional de Arte Romano – leider schon geschlossen. Und irgendwann meldet Renate Hunger. Also zurück zur Plaza de España.
Dort gibt’s im Mesón el Pestorejo: Vino, Croquetas de Jamón, Jamón Ibérico de Bellota, Queso de Oveja.
Und ich denk mir nur: Ja… genau so darf ein Camino-Tag enden.
Offizielle Strecke: 16 km
Tatsächlich gegangen: 24,6 km
Wetter: in der Früh diesig und schwül, ab Mittag 31 Grad – heiß
Heute war viel. Viel Weg. Viel Geschichte. Viel Staunen.
Und irgendwo dazwischen… ein ganz stiller Moment, wo ich mir gedacht hab: Gut, dass ich genau hier bin. 🌿🥾
Buen Camino
Eure Charlie





























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