Von Castilblanco de los Arroyos nach Almadén de la Plata
Tag 4 – Kalt, steil und irgendwo zwischen „Ich mag nimmer“ und „Ich hab’s geschafft!“
Die Nacht? Kalt. Sehr kalt.
Unser Schlafsaal im Erdgeschoss hatte bei einigen Fenstern… KEINE Glasscheiben. In der Nacht: 10 Grad und der Wind pfeift fröhlich durch den Raum.
Der deutsche Herbergsvater hat uns eh vorgewarnt.
Also: strategisch klug die unteren Betten gewählt, Leggins, Shirt, Weste, Seidenschlafsack, Wolldecke drüber. Klingt gut. War es nicht. 😄
Um 23:30 Uhr werde ich wach. Mir ist kalt. Richtig kalt.
Also im Dunkeln im Rucksack gewühlt: Jacke an. Halstuch aus der Jackentasche → wird zur Schlafhaube. Handtuch (mittlerweile trocken) → wird zur Zusatzdecke im Schlafsack. Improvisation kann ich. Warm war mir trotzdem nicht. Ich hab gefroren und gebibbert.
Um 5:30 Uhr macht jemand im Vorhaus das Licht an. Der Vorhang bei der Tür? Natürlich nicht ganz zu. Ich: hellwach.
Gut. Dann steh ich halt auf. 😄
Um 6:45 Uhr verlassen wir mit vielen anderen die Herberge. Raus aus dem Ort – knapp 1 km beleuchtete Straße. Dann: stockfinster. Für ein paar Minuten zumindest. Danach sehen wir wieder, wo wir hingehen. Praktisch.
Die nächsten 9 km: Straße. Auf und ab. Renate? In ihrem Element. Ich? Nach 2 km: erste Pipi-Pause. Nach weiteren 2 km: Muskelkonzert.
Oberschenkel vorne, Oberschenkel hinten, Waden – und ja, sogar die Pobacken melden sich. Nur der Gehmuskel nicht. Der ist ja trainiert. 😄
Vorbei an Rindern und Schafen… Bis endlich gelbe Pfeile am Boden zeigen: Hier geht’s weg von der Straße! 3 Stunden für 10 km. 🙈
Ein Apfel. Und wieder ein Toilettengang in der freien Natur. Pilger-Romantik pur. Jetzt noch 7 km bis zum Nationalpark.Für die ersten 2 km brauche ich eine Stunde.
Es hilft nix: Pause. Jause. Hose runter. Chili-Creme auf alles, was weh tut. Schuhwechsel inklusive.
Weiter geht’s – über ausgeschwemmte Pfade, bergauf, bergab.
Eine Stunde später: das Knie meldet sich. Also wieder Pause. Hose und Knieschoner runter, kühlende Salbe drauf – und ein Seractil hinterher. Zwei Minuten später: Eingang Nationalpark. Timing kann ich. 😄
Wieder Pause. Kalter Kaffee. Muss auch sein.
Nach weiteren 1,5 km kommen wir an den Dienstgebäuden vorbei.
Und nach gefühlten 3 km stehen wir beim kleinen Stausee.
Ich zieh die Schuhe aus und steck meine überhitzten, geschwollenen Füße ins Wasser.
Himmel. Das ist Glück.
Aber der Weg… hört nicht auf. Er geht weiter. Bergauf. Bergab. Und bergab tut mir am meisten weh. Mittlerweile: Pause jede Stunde.
Der Weg wird steiler.Schotter wird zu Trampelpfad.
Und dann – plötzlich: Ich kann es kaum glauben. Ich stehe oben. Am Aussichtspunkt des Cerro del Calvario. Ich hab’s geschafft. Ich bin oben. Und ja – vor lauter Freude und Schmerz kommen mir die Tränen. 😄
Aber lang bleiben geht nicht. Runter auf der anderen Seite. Noch knapp 2 km bis in den Ort. Zur öffentlichen Herberge.
Ankommen. Bett aussuchen. Duschen. Einchecken um €10. Dann ab zum Supermarkt: €15 Einkauf.
Heute haben wir Lust zu kochen. Also gibt’s: Hörnchen mit Ei, Paprika, Zucchini, Salami und Ziegenkäse obendrauf.
Kleiner Tipp: Wer hungrig kocht, übertreibt leicht. 😄 Aber halb so wild – dank unserer Universal-Dose ist für morgen auch noch was da.
Offizielle Strecke: 29,7 km
Tatsächlich gegangen: 34,5 km
Und heute war einer dieser Tage… wo ich mir mehr als einmal gedacht hab: Warum tu ich mir das an?
Und am Ende weiß ich wieder: Genau deshalb.
Buen Camino 🌿🥾
Eure Charlie






















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