von Almadén de la Plata nach El Real de la Jara
Tag 5 – Zwischen Müdigkeit, Muskelkater und einem kleinen Wunder am Ende
Die Nacht war… wieder kalt. So richtig kalt. Ich lieg im Seidenschlafsack – mit allen Klamotten, inklusive Jacke. Die dünne Decke der Herberge drüber. Ich zitter. Und irgendwann schlaf ich doch ein.
Um 5:00 Uhr: Licht ins Gesicht. Taschenlampe. Handy. Rascheln. Kramen. Stimmen. Gefühlt sind 90% der Pilger schon auf den Beinen. Die wollen die heutige und morgige Etappe in einem Zug machen. Wir nicht. Ich fühl mich wie gerädert… und schlaf einfach wieder ein. 😄
Um 7:30 Uhr weckt mich Renate. Anziehen brauch ich mich nicht wirklich – eher das Gegenteil. Ein paar Schichten runter. 🤣 Ab in die Küche. Kühlschrank auf…😡 Ein Erdbeerjoghurt ist weg. Ich mein… ernsthaft?! 😱 Da hatte wohl jemand wirklich Hunger. 😄
Der Rest: Joghurt, Schokodonuts und Kaffee – passt schon. Aber ich komm einfach nicht in die Gänge. Die Oberschenkel. Die Pobacken. Alles meldet sich. Renate macht mir noch einen Kaffee. Langsam… ganz langsam komm ich an im Tag.
Um 9:00 Uhr verlassen wir als Letzte die Herberge. Durch Straßen, gesäumt von Orangen- und Zitronenbäumen, finden wir zurück auf den Weg.
Und plötzlich: Hans. Der Bayer. 😄 Gemeinsam gehen wir ein Stück – vorbei an der Stierkampfarena. Dann wieder Natur. Nationalpark. Waldwege.
Wir plaudern, lachen, gehen. Vorbei an einer wunderschönen Finca, an Wasserstellen, Ziegenherden – und an der Muttergottes. Und auch das Wiener Ehepaar taucht wieder auf.
Durch die vielen Tierherden gibt es unzählige Zäune und Gittertore. Und wir… brav wie wir sind… verriegeln jedes einzelne wieder. 😇
Irgendwann brauch ich eine Pause. Meine Pobacken machen mir heute das Leben wirklich schwer. Hans geht weiter. Renate und ich bleiben sitzen.
Und dann… kommt es von hinten: Das italienische ältere Paar. Mit… lauter Musik. Ich frag mich wirklich:Muss das sein? Habt ihr Angst vor der Stille? Vor euren eigenen Gedanken? Wir schauen uns an – und beschließen: Wir müssen weg. 😄
Also weiter. Bergauf. Angenehme 24 Grad, immer wieder Wolken, die Schatten spenden. Ein leichter Wind – richtig angenehm. Aber der Weg… wird steiler. Richtig steil. Das würde beim Skifahren locker als schwarze Piste durchgehen. 🤣
Dann weiter. Immer noch bergauf. Bis wir vor einer Herde Pferde stehen. Ich hab keine Angst. Aber Respekt. Großen Respekt. 🤪
Ich geh langsam vorbei – nur bei den Köpfen. Und begrüße jedes einzelne Pferd höflich auf Spanisch: „Buenos días“ oder „¿Qué tal?“ Und die Pferde? Drehen sich einfach von mir weg. 😄 Gut. Auch eine Reaktion.
Dann endlich: Noch 4 km bergab bis El Real de la Jara. Es ist 13:00 Uhr. Wir gehen zur öffentlichen Herberge. Geschlossen. An der Tür: eine Telefonnummer. Shit. Ich muss anrufen. Auf Spanisch. Hab ich noch nie gemacht. Renate schaut mich an: „Hilft nix. Du musst.“ Panik. 😱 Durchatmen. Anrufen.
Es läutet. Eine Frau hebt ab. Ich sag gleich: Ich spreche nur wenig Spanisch. Frage nach zwei Betten. Antwort: Nur mehr ein Bett frei. Mist. Und dann versteh ich noch: Der ganze Ort ist ausgebucht.Noch mehr Mist. 😄
Also zurück Richtung Ortseingang. Da soll es laut Reiseführer eine kleine private Herberge geben. Wir klopfen. Nichts. Keine Telefonnummer. Was jetzt? Also zur Bar. Kaffee bestellen. Nachdenken.
Wir suchen auf Booking, Google, in der Camino-App… Alles voll. Und dann: Ein Haus. 6 Betten für €95. Wir buchen. Ein ganzes Haus. Für uns. Warmwasser. Genug Decken. Küche. Waschmaschine. Eigenes Bad. Pilgerherz – was willst du mehr? 😄 Renate spendiert Wein und Bier. Das muss gefeiert werden.
Das Haus liegt in der gleichen Straße wie Bar und Supermarkt: Calle Real, Nummer 20. Kurz vor 15:00 Uhr stehen wir davor. Klopfen. Niemand da. Ich ruf an. Erklär, dass wir schon da sind.
Ein paar Minuten später kommt der Vermieter. Sperrt auf. Zeigt uns alles. Und ich denk mir nur: Genau so stelle ich mir das Leben hier vor. Ich bin wirklich begeistert. 😁
Eine halbe Stunde später sitzen wir im Innenhof – frisch geduscht, in große Handtücher gewickelt – und warten auf die Waschmaschine. 😄
Mit sonnengetrockneter Kleidung gehen wir noch eine Runde: Zur Burg. Zur Kirche. Dort findet gerade ein Begräbnis statt. Wir drehen wieder um. Im Supermarkt kaufen wir um €20 noch Vorräte für morgen.
Und dann: Zurück in unsere Casa. Flasche Wein aufmachen. Einfach sitzen. Und spüren, wie gut sich das gerade alles anfühlt.
Offizielle Strecke: 14,1 km
Tatsächlich gegangen: 20,8 km
Heute war kein leichter Tag. Kalt gestartet. Schwere Beine. Viele Gedanken. Und am Ende: Ein kleines Geschenk. Ein Haus. Ein bisschen Ruhe. Und dieses Gefühl: Es wird schon. Immer wieder.
Buen Camino 🌿🥾
Eure Charlie






























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