von Los Santos de Maimona nach Villafranca de los Barros

Tag 9 – Zwischen Bauchgefühl, brennenden Füßen und: „Dem Geduldigen gehört das Leben“ 

Heute mal ganz anders: Ich stelle mir einen Wecker. Auf 5:37 Uhr. Warum genau diese Uhrzeit? Gute Frage. 😄

Aber ich hab meinen Plan: einmal snoozen – 8 Minuten – passt.

Frühstücken, Jause richten, zusammenpacken. Und um 7:00 Uhr geht’s los.


Es ist noch finster. Die Straßenlaternen begleiten uns bis zum Ortsrand. Am Horizont wird es langsam heller. Morgendämmerung. Ich mag diese Stimmung – ruhig, weich, fast ein bisschen magisch.




Dann raus auf die Feldwege. Die ersten 5 km: auf und ab, durch Olivenhaine, Mandelplantagen und Weinreben. Links und rechts Natur, Weite, Ruhe.

Die Beschilderung? Naja… sagen wir: ausbaufähig. 😄

Also folgen wir unserem Gefühl. Und ein bisschen der Sonne: Wenn sie rechts von uns aufgeht, wird’s schon passen. 🤪


Der Weg wird ursprünglicher, natürlicher. Eingezäunte Felder begleiten uns. Und in der Ferne sehen wir schon unser Ziel: Villafranca de los Barros.





Dann kommt eine Weggabelung. Ohne klaren Hinweis. Gefühlt nehmen wir links. Falsch. 😄 Wir landen auf der Landstraße. Zurückgehen? Nein. Die Straße führt auch ins Ziel.


Also weiter. 6 km Asphalt. In Wanderschuhen. Ich sag’s, wie’s ist: Meine Fußsohlen haben gebrannt. Und da war er wieder: der Moment. Ich mag nicht mehr.

Dieser Punkt, wo der Körper laut wird. Und der Kopf kurz mitmacht.

Aber wir gehen weiter. Schritt für Schritt.


In Villafranca de los Barros angekommen: Erste Amtshandlung – Bar. Direkt nach der Markthalle. Klein. Runtergekommen. Perfekt. 😄 Schuhe aus. Kaffee und Wasser: €3,60. Und plötzlich ist die Welt wieder ein bisschen besser.




Dann zur Herberge. Geschlossen. Super. 😄 Weiter zur Casa Perin. Öffnet erst um 13:30 Uhr. Es ist 11:30 Uhr. Und jetzt wird Renate leicht nervös.


Ich versteh sie ja. Sie ist mein begleitender Engel auf meinen Jakobswegen. 💛

Aber ohne Schlafplatz… wird sie unruhig.

Und lässt sich dann auch gern von anderen Pilgern anstecken, die alles vorreservieren. Und sie denkt weiter: Kein Bett → weitergehen → noch 20 km. Und dann schaut sie mich an. Die patscherte, mehrfach gehandicapte, jammernde Frau.

Also mich. 🤣 Und ich versteh ihren Blick.


Also weiter. Ab ins Konvent – Stempel holen. Und gleich zur Touristeninfo.

Wir fragen nach der Herberge. Die Dame sagt: Die ist offen.

Ich: Nein, da hängt ein Zettel - geschlossen.

Sie schaut irritiert… und beginnt zu telefonieren.

Nach 10 Minuten: Die Herbergsmutter hatte einen medizinischen Notfall. Deshalb geschlossen.

Dann fragt sie: „Soll ich schauen, ob ich etwas für euch finde?“

Äh… ja bitte! 😄

Weitere 10 Minuten später: Ein Doppelzimmer für €46. Wir sagen sofort zu.

Und dann kommt die Überraschung: Es ist ein Apartment. Mit 4 Betten, Bad mit Badewanne, WC und eigenem Kühlschrank.






Und wisst ihr wo? Casa Perin. 😄

Genau die, von der gestern alle gesagt haben: Vollständig ausgebucht.

Ja. Über Booking.

Aber wir machen das anders. Wie richtige Pilger. Wir gehen. Wir fragen. Wir bleiben dran.


Denn: Dem Geduldigen gehört das Leben. 😁


Offizielle Strecke: 15,5 km

Tatsächlich gegangen: 19 km (gefühlt mehr, vor allem auf Asphalt 😄)

Wetter: heiße 28 Grad


Heute war kein perfekter Tag. Aber ein ehrlicher. Mit Umwegen. Mit Zweifeln. Mit kleinen Lösungen.

Und genau das macht ihn am Ende wieder… rund. 🌿🥾


Buen Camino

Eure Charlie 

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