von El Real de la Jara nach Monesterio

Tag 6 – Gut gestartet, hart gelandet (und irgendwo dazwischen ganz viel Leben)

Der Tag beginnt… richtig gut. Ich hab wirklich gut geschlafen. Kurz vor 6:00 Uhr bin ich wach und mach mir den ersten Kaffee. Renate kommt kurz danach dazu.

Ruhig. Entspannt. Fast schon ein Luxus-Morgen.

Nach dem Frühstück, Rucksäcke packen – und um 7:45 Uhr geht’s los.



Unsere Casa liegt direkt am Jakobsweg, also: Pfeile finden = kein Problem. Kaum aus dem Ort draußen, geht’s gleich bergauf. Schotterstraße. Klassiker. 😄

Vorbei an blühendem Mohn – richtig schön. Und an einer großen Statue der Jakobsmuschel.



Nach ca. 1 km erreichen wir die Grenze zwischen Andalusien und der Extremadura. Ein kleiner Bach markiert sie. Unspektakulär – und gleichzeitig irgendwie besonders. 

Auch an einer Burg kommen wir wieder vorbei.



Und dann weiter: Korkeichen, Rinder, Schafe… Vier kleine Schäfchen haben es durch den Zaun geschafft und sitzen am Wegesrand. Blöken nach ihrer Mama. Ich schwör – das geht direkt ins Herz. 🥹 Kurze Pause: Renates Zehen müssen versorgt werden – Blase im Anmarsch.




Nach 7 km ein ausgetrocknetes Bachbett. Überqueren, weiter. Noch 3 km bergauf auf Schotter – bis wir endlich die Raststätte an der N-630 erreichen. Und dort: Kaffee. Mineralwasser. Bier. Genau das, was man braucht. 😄


Danach geht’s weiter – bergauf, auf einem schmalen Pfad direkt neben der Autobahn. Nicht romantisch, aber effektiv. Nach 1 km erreichen wir einen Eukalyptushain, der sich über ca. 2 km zieht. Dort finden wir ein schattiges Plätzchen und essen unsere Weckerl. Einatmen. Durchatmen. Weiter.



Aber dann wird’s… steiler. heißer. 28 Grad. Sonne direkt ins Gesicht. Und meine Muskeln? Dauerbeschallung. Wir bleiben immer wieder kurz stehen, suchen Schatten, trinken Wasser. So geht das etwa 5 km, bis wir auf ca. 750 m Seehöhe ankommen.

Oben gibt’s einen Rastplatz. Wir sehen schon Monesterio vor uns… und gehen einfach weiter.



Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 😄 Denn jetzt geht’s bergab. Und plötzlich: Ischias. Stich. Und noch einer. Und dann geht nichts mehr. Die letzten 500 Meter sind nur noch Schmerz. Lende. Bein. Alles.




Ich geh. Langsam. Unter Tränen. Bis zu einer Bar. Dort bleib ich sitzen. Es geht einfach nicht mehr weiter. Renate nimmt unsere Pässe und organisiert die Herberge. Ich bleib zurück. Für €1,40 bekomm ich ein kleines Bier und Tapas. Und ehrlich: Ich brauch noch ein zweites. 🤪

Renate ruft an und erklärt mir den Weg zur Herberge. Tja… Entweder war’s die Verbindung. Oder unser Dialekt. 😄 Ich geh los. Langsam. Sehr langsam. Und plötzlich steh ich… am Ende des Ortes. Keine Herberge. Keine Schilder. Aber hey – ich weiß jetzt wenigstens, wie der Weg morgen weitergeht. 🤣

Nach mehreren Telefonaten, Standort hin- und herschicken per WhatsApp… endlich Klarheit. Ich hab sozusagen eine Ehrenrunde durchs Dorf gedreht, bevor ich ankomme. 😄 In der Herberge: Betten checken. Und das Beste: Wir beide bekommen die unteren Betten. Luxus! Handtuch und Bettzeug inklusive. Heiße Dusche.

Und dann humpel ich mit Renate zum Spar. Und ratet mal, wo der ist? Genau dort, wo ich vorher völlig verzweifelt herumgestanden bin. 😄 Heute gibt’s: Hühnerschnitzel mit Gemüse. Und dann noch ein Videotelefonat mit meinem Kind. Und plötzlich… ist alles wieder gut. 💛


Offizielle Strecke: 20,2 km

Tatsächlich gegangen: 25,5 km


Heute war so ein Tag… Der gut beginnt. Dich unterwegs prüft. Dich an deine Grenzen bringt.

Und dir am Ende zeigt: Du gehst trotzdem weiter. Auch wenn’s weh tut. 


Buen Camino

Eure Charlie 

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