von Aldea de Cano nach Cáseres
Tag 15 – Ein Hut, ein Hitzeschock und Cáceres in all seiner Schönheit
Gestern Abend noch zwei junge Burschen in der Herberge angekommen. Und um 22:00 Uhr klopft es plötzlich an unserer Zimmertür.
Johann ruft rein: „Vermisst du nix?“
Ich: „Nö…“
Er: „Also dann ist das nicht dein Hut, den der Restaurantbesitzer gebracht hat?“
Ich: „Ähm… steht was Rotes drauf?“
Er: „Ja – bürgenlound… ist das nicht, wo du wohnst?“
Ich: „Ok… war meiner. 🙈“
Na das wär blöd gewesen. 😄
In der Früh dann gleich Erste Hilfe: Ich tape einem der beiden jungen Burschen die Füße – voller Blasen. 🚑
Ein weiterer holländischer Pilger meint nur: „Du bist entweder Krankenschwester oder Mama.“
Ich: „Mama.“ 😉
Frühstück: Kaiserschmarren vom Vortag und Kaffee. Start um 7:15 Uhr.
Johann biegt gleich mal falsch ab - Richtung Tankstelle zum Kaffee. 😄 Also gehen wir die ersten 4 km zu zweit durch die Steppe. Wir überholen die beiden Jungs, obwohl sie eine halbe Stunde vor uns gestartet sind.
Der Weg führt über Weiden, durch offene Landschaft und sogar über ein altes Flugfeld. Irgendwie fühlt sich das an wie Texas – ist auch schon über 20 Jahre her. 🤪
Weiter zwischen Schafen und Kühen, bewölkt, angenehme 20 Grad.
Bis zur Römerbrücke vor Valdesalor: Die ersten 12 km schaffen wir heute in 2,5 Stunden.
Dann Bar Salón: Kaffee und Mineralwasser, zusammen €6 – und ein Stempel. 😁 Johann bleibt hier.
Und dann kippt der Tag. Die Hitze kommt. Nach weiteren 5 km Mittagspause im Schatten eines Baumes – Sandwiches vom Vortag.
Weiter geht’s bergauf, vorbei an einem umgefallenen Strommasten. Die Sonne brennt, 30 Grad. Die Schmutzgeier kreisen über uns. 😳
In der Ferne sehen wir schon Cáceres. Noch etwa eine Stunde – und wir sind am Stadtrand.
Es ist ca. 14:00 Uhr. Und ich hab plötzlich nur noch ein Gefühl: Ich verglühe.
Wir gehen von Schatten zu Schatten. Und dann…
Gehen meine Füße nicht mehr nach vorne – sondern nach unten. Ich knie am Boden. Rucksack runter. Wasser. Mir ist so schwindlig, dass ich mich einfach hinlege. Ein Passant kommt vorbei, fragt ob er helfen kann. Ich bring nur ein Wort raus: „Wasser.“
Er läuft los, holt eine große Flasche und gibt sie mir. Renate ist inzwischen bei mir.
Wir machen aus: Sie geht voraus in die nächste Bar, ich komme nach, sobald ich wieder stehen kann. Zwei Müsliriegel, viel Wasser – dann schaff ich es weiter.
In der Bar: Kaffee und Cola um €6.
Wir überlegen, wie wir jetzt sicher in die Herberge kommen. Also rufe ich an und reserviere zwei Zimmer – gute Entscheidung, denn zwischen 15:00 und 17:30 Uhr ist niemand vor Ort.
Dann geht’s durch die Altstadt von Cáceres.
Gebäude aus dem 15. und 16. Jahrhundert, maurischer Ursprung. Eine Stadt mit Geschichte – früher islamisch, seit 1220 christlich.
Am Plaza Mayor gönnen wir uns ein Glas Wein. Dann Herberge, duschen, umziehen – und nochmal raus in die Stadt.
Dort lernen wir Alexander aus Wien kennen, etwa 60. Er hat alles verkauft und fährt mit dem Auto die Jakobswege ab. War 30 Jahre im Kloster.
Spannend… bis zu einem gewissen Punkt. 😄 Mit jedem Glas Wein wird er anstrengender. Renate und ich schauen uns an – ohne Worte ist klar: Wir gehen jetzt.
Offizielle Strecke: 23,4 km
Tatsächlich gegangen: 27,9 km
Wetter: vormittags angenehm, nachmittags heiß (30 Grad)
Heute war ein Tag mit allem: Lachen, Helfen, Staunen… und ein Moment, der mich daran erinnert hat, dass der Camino auch Grenzen zeigt.
Und dass es Menschen gibt, die genau im richtigen Moment einfach helfen. 💛🌿🥾
Buen Camino
Eure Charlie
























Kommentare
Kommentar veröffentlichen