Von Sevilla nach Guillena
Tag 2 – Und plötzlich ist es ernst. (Oder: Gatsch, Sonne und 28 km Realität)
Die Nacht davor war kurz gesagt… intensiv.
Enge Gassen, quietschende Reifen auf Pflastersteinen, überall Musik, Menschen, Leben. Sevilla pulsiert – und wir mittendrin.
Ganz gemütlich noch ins Hostel marschiert, die Aussicht von der Dachterrasse genossen – und um 20:00 Uhr einfach umgefallen.
Zu dem Zeitpunkt war ich fast 40 Stunden wach und auf den Beinen.
Ich hab geschlafen wie ein Stein.
Bis 7:00 Uhr. Dann kam Renate. Natürlich. 😄
Frühstück: 2 Kaffee und 2 Schoko-Croissants vom Vorabend.
Das Hostel-Frühstück hätte €3 gekostet – aber ganz ehrlich: wir waren bestens versorgt.
Tee und Kaffee gab’s sowieso gratis.
Um 8:00 Uhr geht’s los Richtung Kathedrale. Ca. 1 km zum Startpunkt. Am Westtor finden wir ihn endlich: unseren Anfang.
Und dann sind sie da – die gelben Pfeile. Auf Mauern, am Boden, sogar auf Orangenbäumen. Man kann sich eigentlich nicht verlaufen. Eigentlich. 😉
Nach 1,5 km erste Pause in der Bar El Tropiezo: Kaffee und Wasser. Noch fühlt sich alles leicht an.
Dann raus aus der Stadt. Und plötzlich: Gatsch. So richtig. Schlammweg deluxe. Hose dreckig, Schuhe dreckig – alles dreckig. Der Lehmboden pickt wie Kaugummi: gute 5 cm an den Schuhen. Die Wanderstöcke? Perfekt als Skistöcke einsetzbar. 😄
Also: Schuhwechsel.
Mitten am Weg. Beobachtet von zwei Pferden, die vermutlich gedacht haben: „Die spinnt.“ Die Sportschuhe hängen danach zum Trocknen am Rucksack.
Feucht, schwül, ca. 22 Grad. Und wir gehen weiter.
Nach etwa 7 km erreichen wir Santiponce. Es ist 11:30 Uhr – Zeit für eine Pause.
2 Kaffee, 2 Mineralwasser und ein Tostada mit Serrano-Schinken und Käse: €16.
Dazu ein Stempel. Und zwei Magnesiumtabletten für die Moral.
Weiter geht’s. Raus aus dem Ort. Und dann kommt er: der endlose Weg.
Kein Schatten. Wirklich keiner. Die Wolken reißen auf. Sonne. 28 Grad.
Nach weiteren 7 km wieder Pause. Irgendwo. Immer noch kein Schatten.
Die Muskeln melden sich. Der Körper auch. Sehr deutlich sogar.
Also wieder Schuhwechsel – zurück in die Sportschuhe. Die sind inzwischen trocken.
Dafür jetzt staubig. Aber das ist mir in dem Moment ehrlich gesagt egal.
Kurz nach 16:00 Uhr erreichen wir endlich die öffentliche Herberge in Guillena – fast am Ortsende, direkt beim Sportplatz.
Ein Bett im Stockbett im Mädchenzimmer: €15.
Dusche. Saubere Kleidung. Und plötzlich fühlt sich alles wieder halbwegs menschlich an.
Dann noch in die Stadt – Supermarkt suchen. Klingt einfach. War es nicht.
Mehrmals gefragt. Mehrmals andere Richtungen bekommen. Ein paar extra Runden durch Guillena inklusive. 😄 Irgendwann: gefunden. €13 für Proviant, Frühstück und Abendessen.
Zurück zur Herberge. Im Schatten sitzen. Chips, Erdbeeren und ein Glas Wein. Und einfach nur… sein.
Offizielle Strecke: 22 km
Tatsächlich gegangen: 28 km
Und ich sag’s, wie’s ist: Heute hab ich den Camino gespürt. In den Beinen. Im Kopf. Und ein bissl auch im Herzen.
Buen Camino. 🌿🥾
Eure Charlie
















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