Ein leises Ziehen in mir 🌿

Noch 30-mal schlafen.

Und schon jetzt spüre ich dieses leise Ziehen in mir, das nur der Camino erzeugt. Der Rucksack liegt noch im Schrank, die Schuhe stehen noch im Regal, aber die Gedanken wandern längst über die Hügel und Wege Andalusiens.

Diesmal beginnt mein Weg in Sevilla. 300 bis 350 Kilometer in zwei Wochen – nicht, um zu beeindrucken, nicht, um etwas zu beweisen. Sondern für mich. Für die Begegnungen, die Geschichten, die Menschen, die ihre Freude, ihr Leid, ihre Motivation oder ihre Zweifel mit mir teilen. Für die stillen Momente, in denen nur meine eigenen Gedanken den Takt vorgeben.

Ich gehe auch wieder in Begegnung mit mir selbst.

Vor drei Jahren habe ich auf meinem ersten Camino Gelassenheit gefunden. Sie war wie ein leises Versprechen: Lass los, atme, vertraue. Doch das Leben hat eigene Wege. Die Gelassenheit ist inzwischen verschwunden, und ich spüre, dass ich sie wiederfinden will. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, zwischen Gesprächen, zwischen Hügeln, zwischen mir.

Ich weiß, dass der Weg mich nicht verwöhnt. Die Hitze wird kommen. Die Beine werden schwer werden. Die Gedanken werden laut, die Stille manchmal beinahe dröhnend. Aber genau das liebe ich. Genau das lässt mich spüren, wie lebendig ich bin, wie verletzlich und gleichzeitig stark.

Vielleicht ist es genau das, was der Camino schenkt: Raum.

Raum zum Atmen. Raum zum Fühlen. Raum, um sich selbst zu begegnen. Raum, um andere Menschen zu sehen, zu hören, ihre Geschichten zu spüren, und dabei die eigene Geschichte wieder klarer zu erkennen.

Und manchmal frage ich mich schon jetzt:

Welche Begegnungen werden mir in Erinnerung bleiben?

Welche Geschichten werde ich mitnehmen, welche bleiben nur für den Moment?

Und wie oft übersehe ich im Alltag eigentlich die kleinen Geschichten, die direkt vor meiner Nase passieren?

Ich gehe wieder los – mit Respekt, mit Vorfreude, mit einem Herz, das offen bleibt, und mit der stillen Hoffnung, die Gelassenheit zurückzufinden, die ich einmal hier auf dem Weg gefunden habe.

Noch 30-mal schlafen.

Und schon jetzt beginnt der Camino irgendwo in mir.

In einem Gedanken, in einem Atemzug, in diesem leisen Ziehen, das mich immer wieder auf die Wege lockt.

Vielleicht ist genau das der Camino: Eine Reise nach draußen – und gleichzeitig nach innen. Eine Einladung, wach zu sein. Für die Welt. Für andere. Für sich selbst.

Buen Camino.

Eure Charlie 🌿🥾


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