Von Ponte de Lima nach Rubiães
22:45 Uhr… Sirenen… Licht… Ich schaue auf… was ist los??? Pilger wuseln im Schlafsaal umher… stecken Ladekabeln in die Steckdosen… Ach so… der Strom ist wieder da… eh super, aber kann bitte jemand den Alarm quittieren??? Das Geräusch ist laut und nervend… ich schließe das Fenster neben meinem Bett… die Sirene erlischt… ich leg mich wieder hin… ein paar Stunden später werde ich munter… mich fröstelt… irgendjemand hat ein anderes Fenster und die Terrassentür geöffnet… ich hab alles angezogen, was ich im Finstern gefunden hab… Ich leg mich wieder hin…
Um 5:30 Uhr halte ich es nicht mehr aus… mir ist eiskalt, mein Nacken und mein Rücken schmerzen… 🤕ich hab einen Zug erwischt… 😵💫 schnell packe ich meine Habseligkeiten zusammen und wandere runter in den Aufenthaltsraum… aua 😥 mir tut alles weh… ich spüre mich fast gar nicht mehr… ich versorge meine Blasen (je eine links und rechts am kleinen Zeh)… salbe meinen Meniskus… packe den Rucksack und warte auf Renate…
Um 7:00 Uhr marschierten wir los… wir liefen raus aus der Stadt… zuerst über kleine Wege bis wir zu einem Steinpfad kamen… war nicht so schwierig, aber mir tat noch immer alles weh… durch den Zug konnte ich meinen Kopf weder nach links noch nach rechts drehen… auf der rechten Seite, zwischen BH-Verschluss und Taille, schmerzte der Rücken…
Dr. Google meinte das ist die Niere… oh Mist… hab ich mir jetzt wirklich die Niere verkühlt… was um Himmels Willen hab ich denn schon wieder angestellt, dass ich das verdiene… meine Schuhe drückten auf meinen kleinen Zehen, die mit Blasenpflaster zugeklebt waren… nicht synchron, sondern abwechselnd… zum Glück lies mich meine Achillessehne heute in Ruh… vorbei an Weinreben und entlang der Levada entdeckten wir kurz später eine kleine Bar… Da die Betreiberin mit den vielen Pilgern und deren Kaffeesucht überfordert war, bestellten wir jeder eine Cola… die war zwar schön kalt, aber kein Kaffee… wir wanderten und ich jammerte weiter…
Der Weg wurde steiniger, verlief ein paar mal unter der Autobahn durch und kreuzte immer wieder den Pilgerweg für Radfahrer… an den Wasserstellen wusch ich mir regelmäßig das Salz aus dem Gesicht und machte mir den ganzen Kopf nass… der Weg ging hinauf und hinab entlang des Berghanges und teilweise neben dem Bach… mich schmerzte noch immer mein ganzer Körper… bin wieder mal an dem Punkt, an dem ich mich frage: warum um Himmels Willen tu ich mir das an??? Klare Antwort von mir: weil du es kannst!!! Es ging weiter bergauf über sehr steinige Pfade…kurz nach dem ‚Cruz Dos Franceses‘ fanden wir eine Quelle im Schatten, wo wir Pause machten… Gestärkt ging’s weiter steinig bergauf…
Mittlerweile waren die Steine 50-60 cm groß… mein Knie meldete sich… noch ein Wehwehchen dazu… Argh… Grmpf… Renate fing schön langsam an zu verzweifeln… sie hatte keinen Plan mehr, wie sie mich heute bis zur Herberge bringen sollte…. Ich hatte einfach nur noch Schmerzen… 🤒
als wir den höchsten Punkt erreicht hatten, wurde aus dem steinigen bergauf ein sandiges bergab… heute wurde ich wirklich nur bestraft… ich rutschte am Sand dahin, die kleinen Zehen drückten in den Schuhen… ich bekam hinterm Knie und im Oberschenkel gleichzeitig einen Krampf…
Aus, die Maus… Pause… ich muss den Krampf raus massieren… mit halben Hosenbein saß ich im Schatten auf einer Steinmauer und massierte meine Krämpfe… noch zwei Bananen verspeist und dann ging’s weiter bergauf und bergab über Waldwege zur Herberge…
Nach einer ausgedehnten Dusche haben wir unsere ganzen Klamotten gemeinsam in eine Waschmaschine gestopft… € 4,- inklusive Waschmittel… während die Wäsche trocknete, gingen wir nebenan ins kleine Café auf Kaffee und Schoko- Croissant und ich telefonierte mit meiner Tochter… trockene Wäsche wieder einsammeln und verstauen… in der Hitze war die in einer Stunde luftgetrocknet… und jetzt ab in den Ort zum Pilgermenü… das gab’s für € 12,- mit Suppe, Hauptspeise und Getränk… mein zusätzliches großes Bier kostete € 2,-…
zurück in der Herberge bekam ich von einer jungen Pilgerin Ayla, die Physiotherapeutin ist, eine gratis Einheit für mein armes Bein… Danke 🙏
Erkenntnis des Tages: „Der Weg bestraft, prüft und schmerzt – aber er zeigt dir auch, was in dir steckt.“
Eure Charlie









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