Von Ferreira nach Boente

Zum Glück sprach Hannah fliesend spanisch und hat für mich und meine Begleitung je ein Bett reserviert… und da waren sie wieder meine 3 Probleme… die 3 Franzosen- und die im gleichen Schlafsaal… die Schnarcher, Frühaufsteher und Bettflüchter… das war wieder eine schlaflose Nacht…

Von der Herberge ging es weiter die Straße entlang… landschaftlich nicht sehr aufregend… heute war es überhaupt ein bissl langweilig… die Umgebung war wie kurz nach Wien… ein paar Hügeln und grün… Mann hab ich mich gefreut, als wir nach 15km endlich wieder im Wald waren.. 😁




Ich hatte aber dafür jede Menge Zeit um über unnötige Dinge nachzudenken… warum sind die Nacktschnecken hier schwarz und bei uns braun? Bekommen die in Spanien eher Sonnenbrand?… Paaren sich verschiedene Schmetterlingsarten? Oder nur mit der gleichen Gattung?… gibt’s bei den Spanier überhaupt Sommer- und Winterzeit?… warum sind hier so viele Menschen unterwegs?… muss man jeden mögen, den man am Camino trifft?


Tja, und so vergeht dann auch die Zeit… der Hunger lässt mal wieder den Magen heftig knurren… Antworten auf meine Fragen hab ich nicht bekommen… Aber Mordshunger… 😁


Was ich mir hier täglich an Nahrung einverleibe ist auch nicht mehr normal…Pause… Jause… weiter geht’s…


Irgendwie trottest du dahin… immer einen Fuß vor den anderen… den Zauber und den Flair hat der Camino in den letzten 30km irgendwie verloren… du gehst mechanisch… unaufhaltsam… automatisch… es gibt kein Jammern mehr, kein schnaufen, kein Wort… irgendwie ist das Hirn mittlerweile leer gefegt und es gibt nicht mal mehr Gedanken… du gehst den Weg und zählst nur mehr die km die an den Wegweisern stehen…




Dann gibt’s mal eine offene Bar und du kaufst dir einen Kaffee… sch… der ist in den letzten 50km um 50% teurer geworden… 

Der Camino ist scheinbar auch nur mehr Geldmacherei… 





am Weg hab ich aber einige nette Leute wieder getroffen… fast jeder hat mich gefragt, warum ich mir als nicht wanderbegeisterte diesen Weg ausgesucht hab… ich bin Pragmatiker und meine Antwort daher pragmatisch: ich bekomme nicht mehr als 2 Wochen durchgehend Urlaub… der Camino primitivo geht sich lt. Reiseführer aus… natürlich wär der Camino Portuges auch in  2 Wochen möglich gewesen, aber dann wär ich ja nicht in Spanien gewandert… das der Camino primitvo der härteste ist, hab ich ja erst später erfahren… aber wie haben meine Eltern schon immer gesagt: was dich nicht umbringt, macht Dich härter!… 




jetzt bin ich in Boente, das ist 6km nach Melide, und hab nur mehr 46km bis nach Santiago… hab ich’s bis hier hin geschafft, werd ich den Rest auch noch schaffen…



¡Buen Camino!

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