Von Tineo nach Borres

Die Nacht war kurz im Schlafsaal mit 24 Pilgern… nicht nur, daß ich es nicht gewohnt bin oben im Stockbett zu schlafen, hatte dieses Bett nur auf einer Seite eine Absturzsicherung, eine durchgelegene Matratze und nebenan lag der anstrengende Italiener (mittfünfziger, denke ich), der mir schon gestern Nachmittag seine budhistischen Massagen aufdrängen wollte… in dem Bett unterhalb neben mir lag „Sancho Pansa“ aus Berlin… die beiden lieferten sich ein Schnarchkonzert, dass es Ärger nicht geht… Berlin legte in Sopran leicht säuselnd vor und Italien legte in Tenor nach… nach ein paar Atmern fiel Berlin aus den Takt und hatte plötzlich den Nachschlag… nach ein paar Minuten war es wieder umgekehrte und das ging die ganze Nacht so… zwischendurch drehte irgendwer das Licht auf, jemand anderer stieß gegen was und fluchte… was hab ich bloß angestellt, dass ich das verdient hab? 🤔


Gerädert schleppte ich mich in der Früh in die nächste Bar und bestellte Frühstück… statt dem Orangensaft wollte ich Kaffee, aber scheinbar hab ich auf spanisch gesagt, dass ich nur den Kaffee will… nach einer halben Stunde war mein Kaffee leer und das Frühstück immer noch nicht da… auf Rückfrage erklärte mir die nette Dame, das ich mein Frühstück wieder abbestellt hab… verdammt 😩Ich hatte Hunger und war grantig… ohne Frühstück geht’s nicht… nochmal meine allerbesten Vokabeln raus gekramt und erklärt, das es sich um ein Missverständnis handelt… ich wollte jetzt endlich was essen… mittlerweile war es 9:00 Uhr… in der Bar lief im Fernseher das spanische Frühstücksfernsehen und ich hatte die Beiträge jetzt schon zum dritten Mal gesehen… dafür hab ich’s aber dann verstanden… 🤣

Nach einer bocadilla tortilla i jamon ging’s mir wieder gut… 

Der Morgennebel Hang tief ins Tal… Sichtweite 5m… am Aussichtspunkt dachte ich meine Brille sei angelaufen, aber es war tatsächlich dichter Nebel… den Weg konnte ich gut erkennen, aber die restliche Umgebung nicht…

Irgendwann riss es doch noch auf und herrlicher Sonnenschein bei 18 grad begleitete mich… die Vögel zwitschernden und Schmetterlinge flogen herum… ich konnte zum ersten Mal bei strahlendem Sonnenschein die schöne Umgebung genießen… 😌

Der Weg war wirklich schön… wenig Matsch, gut beschildert und ich war nahezu allein auf weiter Flur… das marschieren ging schon automatisch und meine Muskeln haben sich scheinbar auch schon dran gewöhnt… herrlich 😁



6km vor Borres zog es wieder zu und es wurde kalt… sehr kalt… ein paar Minuten später war ich in Campiello… in der Herberge gab es auch die Möglichkeit zu essen… ich hab mir eine bocadillo con chorizos einen Zitronenkuchen und Kaffee gekauft… es sah nach Regen aus und Borres war ja nur mehr ein paar Kilometer entfernt… die waren aber auf der Straße zurückzulegen…


In Borres kam ich zum ersten Mal in den Genuss eines richtigen Pilgermenüs… Eintopf, Omelette mit Erdäpfel, Salat und eine Flasche furchtbar schmeckenden Weißweins… das war echt der grauslichste  Wein, den ich jemals getrunken hatte… er schmeckte nach alten Schuhen…😩


Das Bett war aber von der Bar nochmal einen Kilometer bergauf entfernt… mit vollen Bauch dorthin zu Latschen ist nicht gerade mein bestes Talent…



Erkenntnis des Tages:

Wer Hunger hat, isst und trinkt was da ist 😉

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